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Mini-Logo Petri-Nikolai

Die Türme der Petrikirche und ihre Glocken

Nach unten auf dieser Seite:
Link zu Informationen zur Turmführung,
Link zum Panorama von Freiberg,
Link zum Petriturm mit seiner
Link Stundenglocke – Saygerschelle und seiner
Link Häuerglocke,
Link zum Faulen Turm der Petrikirche mit seiner
Link großen Glocke und seiner
Link kleinen Glocke,
Link zum Hahnenturm der Petrikirche,
Link und zu den Glocken im Turm der Nikolaikirche.


Turmführung

Bild: Petriturm – Klick zum Vergrößern Bild: Petriturm Balkon – Klick zum Vergrößern

Bild: Turm-Panorama klein – Klick zum Vergrößern Bild: Turm-Panorama im Winter klein – Klick zum Vergrößern
Es ist eine Turmführung und -besteigung des mit 72 Meter höchsten Turmes der Freiberger Altstadt, des Petriturmes, möglich. Die regelmäßigen Zeiten sind auf der Seite Link „Informatielles“ dieses Internetauftrittes zu finden.

Bild: Informationsblatt Turm – Klick zum Herunterladen
Für die Besteiger des Petriturmes wurde ein Turm-Informationsblatt erstellt.
Zum Öffnen dieser PDF-Datei benötigen Sie den Adobe® Reader®, den Sie – falls dieser noch nicht auf ihrem Rechner installiert ist – hier kostenlos herunterladen können.


Dass die Türme der Petrikirche in Höhe und Gestaltung heute so unterschiedlich sind, ist mehreren verheerenden Stadtbränden geschuldet, nach denen die Kirche jedesmal neu aufgebaut werden musste und die finanziellen Mittel nicht ausreichend waren, die Türme in gleicher Weise wie vorher wiederherzustellen.
Der ursprüngliche Kirchenbau besaß wahrscheinlich sogar vier Türme, die in ihrer Größe ein Zeugnis des Reichtums der Stadt und insbesondere der Kirchgemeinde waren. Aber Kirchtürme sollten vor allem immer ein Zeichen für Gottes Gegenwart und Größe sein und die Glocken sollten die Menschen an das Gebet und den Gottesdienst erinnern.


Das Panorama von Freiberg vom Petriturm aus

Bild: Turm-Panorama klein – Klick zum Vergrößern
Panorama vom Balkon des Petriturmes (2866×704 Bildpunkte = normal = 1,3 MB).

Bild: Turm-Panorama groß – Klick zum Vergrößern
Panorama vom Balkon des Petriturmes (11464×2819 Bildpunkte = sehr groß = 16,8 MB).



Bild: Turm-Panorama im Winter klein – Klick zum Vergrößern
Winterpanorama vom Balkon des Petriturmes (2000×467 Bildpunkte = normal = 0,4 MB).

Bild: Turm-Panorama im Winter groß – Klick zum Vergrößern
Winterpanorama vom Balkon des Petriturmes (8408×1962 Bildpunkte = sehr groß = 6,3 MB).



Logo Ort Petrikirche Logo Petriturm
Bild: Postkarte Turmpanorama Vorderseite – Klick zum Vergrößern Bild: Postkarte Turmpanorama Rückseite – Klick zum Vergrößern
Eine besondere Postkarte steht bei den Betreuern der Offenen Petrikirche und bei Petriturmführungen zur Verfügung. Sie zeigt in einem 180°-Panorama die beeindruckende Aussicht vom Petriturm auf die Altstadt Freibergs mit kurzen Erläuterungen zum Bild und zur Kirchgemeinde.

2014
Bild: Buch – Klick zum Klick zum Vergrößern Bild: Turmpanorama
„Hoch droben über der Stadt“, so heißt ein Buch von Silke Heinig mit vielen Informationen und Geschichten über den Petriturm und andere Türme. Unser Türmer Burkhard Schmugge hat viel zu dessen interessanten Inhalt beigetragen.


Der Petriturm und seine Glocken

Beide Hilligerglocken haben nach ihrer Restaurierung ihren besonders eindrucksvollen Klang wiederbekommen.

Bild: große Glocke – Klick zum Vergrößern Geläut der großen Glocke

Bild: kleine Glocke – Klick zum Vergrößern Geläut der kleinen Glocke

Bild: große Glocke – Klick zum Vergrößern Bild: kleine Glocke – Klick zum Vergrößern gemeinsames Geläut beider Glocken

Herrn Bernd Kasper und Dr. Günter Heinz vielen Dank für die Erlaubnis, diese Klangbeispiele hier anbieten zu dürfen. Die Aufnahmen entstanden am 10. September 2006 während der „Freiberger Glocken-Andacht“ (Link www.guenter-heinz.de/freiberger_glocken_andacht.71.html).

  Bild: Petriturm – Klick zum Vergrößern
Blick vom Balkon nach oben zu einem Fenster der Turmstube.
 
Bild: Historischer Markt – Klick zum Vergrößern
Der Historische Markt vom Balkon aus gesehen.
Bild: Balkon Turm – Klick zum Vergrößern
Der Aussichtsbalkon am Petriturm.
Bild: Rathaus vom Turm – Klick zum Vergrößern
Blick durch ein Fenster der Turmstube in Richtung Rathaus.
Bild: Turmstube – Klick zum Vergrößern
Turmstube
Bild: Türmerwohnung – Klick zum Vergrößern
Türmerwohnung
Bild: Aufzug auf der Balkon-Etage – Klick zum Vergrößern
Aufzug auf der Balkon-Etage.
Bild: Offener Petriturm – Klick zum Vergrößern
Turmeingang am Fuße des Glockenturmes.
Bild: Wasserpumpe im Turm – Klick zum Vergrößern
Wasserpumpe im Turm
Bild: Kirchenmodelle – Klick zum Vergrößern
Quergang vom Glocken- zum Petriturm mit Gewölbe der Lutherhalle und den Kirchenmodellen.


Bild: Petriturm – Klick zum Vergrößern
In früheren Jahren war der Petriturm der höchste Turm im mitteldeutschen Raum, und auch jetzt ist er mit einer Höhe von 72 Metern das höchste innerstädtische Gebäude.
Der steinerne Teil misst 44–45 Meter, die Kuppel 12–13 Meter, die Laterne 3,60 Meter und die Spitze 8,40 Meter.

Es führen 230 Stufen, beginnend auf dem Petriplatz auf einer Höhe von 405 Meter über NN, über den Glockenturm, weiterführend zum Quergang, von diesem aus in den Petriturm, in diesem an der ehemaligen Türmerwohnung vorbei bis zur Turmstube.

Der Aufstieg beginnt am Fuße des Glockenturmes und führt durch diesen hindurch. Der vom Besucher zu passierende Quergang zwischen dem Glockenturm (Fauler Turm) und dem Petriturm gehört zu einem Freiraum, der sich oberhalb des westlichen Einganggewölbes der Kirche befindet. Der Schlussstein dieses Gewölbes ist in Form einer Aufwölbung erkennbar. Zu Beginn des Aufstieges im Petriturm befindet sich eine alte Wasserpumpe. Sie diente der oben gelegenen Türmerwohnung zur Versorgung mit Trink- und Löschwasser. Das Wasser der öffentlichen Wasserversorgung stieg bis zur Höhe der Pumpe. Der weiterführende Aufstieg erfolgt über eine Holztreppe, die in eine stabile Holzkonstruktion eingebaut ist. Anstelle der üblichen tragenden Funktion des Turmmauerwerkes lagert im Petriturm die Turmhaube auf dieser Holzkonstruktion – vermutlich begründet durch die höhere Baulast der barocken Turmgestaltung gegenüber dem ursprünglichen romanischen Turmdach. Dieser erstreckt sich über mehrere Stockwerke. Um diesen erreichen zu können, kommt man an einigen Verschlägen vorbei, die zu Lagerzwecken dienten. Auf der darüber gelegenen Ebene befindet sich ein handbetriebener Seilzug. An der westlichen Turmseite ist eine Tür mit Umlenkrolle, über die Lasten transportiert werden konnten. 1897 wurde der Seilzug mit einer selbsttätigen Seilbremse versehen und konnte zu Rettungszwecken verwendet werden. Auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes ist ein kleiner Balkon, der einen beeindruckenden Blick zum Obermarkt und über die Stadt ermöglicht. Ein Stockwerk höher ist aus der Turmstube die Sicht frei in alle Himmelsrichtungen. In der Laterne über der Stube befinden sich die Stundenglocke (Saygerschelle) und das Häuerglöckchen, das den Bergleuten früher als Orientierung für den Schichtbeginn diente, und darüber die eigentliche Turmspitze mit Turmknopf, Windrose, Wetterfahne und Stern, die von einer 5,5 Meter hohen Stange (Spille) getragen werden.

Die schmiedeeiserne, vergoldete Spille ist 5,50 Meter hoch. An ihr befindet sich – ebenfalls vergoldet – der Turmknopf, in dem Dokumente (bzw. die Kopien von 1580, 1731, 1803, 1822 1920, 1941 und 1979) gelagert sind. Diese wurden immer bei Erneuerungen der Turmspitze, wie z.B. nach drohendem Abknicken, Kirchenbrand (1731) oder Generalreparatur 1979 dort hinterlegt. Der Turmknopf ist 0,94 Meter hoch und 0,76 Meter breit, er wiegt leer ca. 19 kg. Die Wetterfahne auf dem Petriturm ist 2,30 Meter lang und 0,65 Meter hoch, sie wiegt ca. 24 kg.

Bei Arbeiten an der Blitzschutzanlage im Jahre 1894 stand der Mechaniker Hugo Meeser frei auf der Windrose – zum Staunen der Bürger, die das Schauspiel vom Obermarkt aus beobachten konnten.
Ein herzliches Dankeschön an Familie Meeser und insbesondere der Witwe des letzten Inhabers der Firma Elektromeister Klaus Meeser:

Bild: Petriturm – Klick zum Vergrößern
Am 11.8.1894 bestieg Meeser nach der Wiederherstellung ohne Gerüst die Turmspitze, steckte die Wetterfahne auf und grüßte durch Hutschwenken die Bürger.
Länge der Fahne 2,28 m
Höhe (ohne Stern 42 Durchmesser) 63,5 cm
Das 5 3/4 mal 8 1/2 cm größte Schild auf dem mittleren Turm des Reiterwagens trägt folgende Aufschrift:

  Mußt durch die Zeit du sehr auch leiden
  mit Gott hab ich dich jung gemacht.
  Drum drehe dich der Stadt zur Freude,
  sei stets auf guten Wind bedacht.
     Hugo Meeser
        Mechaniker
           Freiberg

Bild: Windrose – Klick zum Vergrößern Bild: Windrose – Klick zum Vergrößern Bild: Windrose – Klick zum Vergrößern Bild: Turmknopf – Klick zum Vergrößern
Am 21.04.1979 musste die Windrose in einer spektakulären Aktion gedreht werden, da sie sich zuvor in den Himmelsrichtungen geirrt hatte. Bild mit vielen Personen (v.l.n.r.): Klaus Bombach, Christoph Henkel, Christian Schneider, Günter Trimmel und Angelika Trimmel.
Vielen Dank Herrn Christoph Henkel für die Erlaubnis, die schwarz-weiß-Fotos hier zeigen zu dürfen! Foto rechts: Lothar Göckeritz

Der Petriturm hatte immer seine besondere Funktion. Vermutlich seit 1401 wohnte dort der städtische Türmer („der Hausmann auffm Peters Thorme“). Die älteste vorhandene Dienstanweisung für diesen Türmer stammt aus dem Jahre 1549. Danach hatte er verschiedene Aufgaben: Er musste für den Glockenschlag der Stundenuhr sorgen, die sich nach der Rathausuhr richten sollte, er hatte das Häuerglöckchen zu läuten und vor allem auf den Ausbruch von Feuer in der Stadt zu achten und im Ernstfall mit Schreien, durch Trompete blasen oder Sturmläuten die Bürger zu alarmieren. Der für jeweils ein Jahr fest angestellte Turmwächter wurde durch einen Scharwächter, einen nebenamtlich tätigen Freiberger Bürger, unterstützt. Am 1. Juli 1905 verließ der letzte Freiberger Türmer Carl August Nepp den Petriturm.
In der Vorwendezeit war die Turmstube ein abhörsicherer Treffpunkt der Gruppe „Grüne Brücke“.

Auch wenn der Petriturm in früherer Zeit intensiv von der Stadt genutzt wurde, so war der Turm früher und ist bis heute kirchliches Eigentum. Dies wurde u.a. schon im 19. Jahrhundert in einem Rechtsstreit und durch verschiedene Rechtsgutachten bestätigt.

Die Geschichte des Petriturms ist auch die Geschichte der Petrikirche: Siehe Menüpunkt „Petri-Nikolai – Historie

Am Rande: 1642 wurde auf dem Petriturm eine aus der Hilliger-Werkstatt stammende Kanone aufgestellt. Sie half bei der erfolgreichen Verteidigung der Stadt gegen die belagernden Schweden.


Die Stundenglocke – Saygerschelle
Bild: Hammer der Stundenglocke – Klick zum Vergrößern
Im Jahre 1540 erhielt der Petriturm eine in der Werkstatt des Freiberger Meisters Hilliger d.Ä. gegossene „Seygerschelle“ (Stunden- oder Sturmglocke). Sie zerschmolz in der Gluthitze der Brandkatastrophe vom 1. Mai 1728:

Inscription
von der alten Seygerschelle welche von den hohen Petri-Thurm, bey deßen Abtrennung den 1. May 1728 herunter unnd entzwey gefallen:
   NISI DOMINUS CUSTODIRIT CIVITATEM FRUSTRA VIGILAT.
   OVI CUSTODIT EAM PSALMO CXXVI ANNO MDXL
Als man gzahlt MDXXXX Jhar Do Das Gnadenreiche Wort Hell und Glar offentlich geprediget und Bekannt Bei Herzog Heinrichs Regiment der durch sein Bruder mit dieser Stat vom ganzen Lande Abgesendet ward doch wunderbarlich des wieder ererbt.
Do Herzog Georg samt begden Sonen verfelt ist gegosssen und vollenbracht.
Dyse Schelle in der Fürstlichen Stat Freibergk Duch Merten Hilger mit Fleis sey lobehr und ewig Preiss.
[Archiv der Petrigemeinde Akte 777 – auf Blatt 196 Turmknopfinhalt von 1580.


Die Seygerschelle wurde beim anschließenden Wiederaufbau durch eine neue Glocke von Michael Weinhold unter Verwendung des alten Materials ersetzt.
Diese trägt nun die Aufschrift:
   ANNO 1730 GOSS MICH MICHAEL WEINHOLD IN DRESDEN

sowie die lateinischen Aufschriften:
   QVAE TOTIES HORAS TOTIES INCENDIA DIXI, IGNIBVS ATRAE HORAE TOTA PERESA CADO
   ALTERA CVM CELEBRAT FESTO CONFESSIO LAETO IVBILA NOLA IACENS SVRGERE IVSSA LOQVOR

Sinngemäß: „ICH HABE OFT STUNDEN ANGESAGT; ABER AUCH BRÄNDE; BRECHEN FEUERSBRÜNSTE AUS, FALLE ICH IN SCHRECKLICHEN STUNDEN GANZ ZERSTÖRT HERAB. ANDERS. WENN DER GLAUBE EIN FRÖHLICHES FEST FEIERT, VERKÜNDE ICH ALS JUBELNDE GLOCKE, DASS DAS DARNIEDERLIEGENDE SICH FREUDIG ERHEBT.“

Bild: Das Uhrwerk der Stundenglocke – Klick zum Vergrößern
Die Stundenglocke ist in der Laterne des Petriturmes fest installiert und wird von einem Hammer angeschlagen, der früher von einem Uhrwerk gesteuert wurde, welches eine Etage tiefer steht.

Die Stundenglocke wurde auch im 20. Jahrhundert noch als Sturmglocke benutzt. Dafür war auch das Anschlagwerk auf dem Turm ausgelegt.


Die Häuerglocke
Bild: Häuerglocke – Klick zum Vergrößern
Die Häuerglocke befindet sich in der Laterne des Petriturmes direkt über der Stundenglocke.

Am 23. Dezember 1874 kam die neue Glocke an. Am nächsten Morgen wurde sie auf einen Schlitten, von einem Steiger und 12 Bergleuten in Paradeuniform begleitet, feierlich eingeholt.
Die Herren des Revierausschusses hatten sich an der Petrikirche eingefunden, Bergrat von Cotta richtete eine kurze Ansprache an die Versammelten und nach dreimaligem Hammerschlag und einem „Glück Auf“ wurde die Häuerglocke gegen 11 Uhr aufgezogen.
Die neue Glocke wiegt bei 65 cm Höhe und 80 cm Durchmesser 344 Pfund. Auch sie trägt wieder einen alten Spruch, die Bergmannszeichen im Wappenschilde und darunter „gegossen im Jahre 1874“.
Oben und unten verzieren Bänder und Friese die Glocke. Sie trägt noch den Vermerk: „J. G. Große, Glockengießer in Dresden“, die Nummer „1779“ und den Buchstaben „D“ (Ton).
Bemerkenswert dürfte noch die Tatsache sein, dass zum Guss Metall von eroberten französischen Kanonen verwendet worden ist. Die Kosten der Glocke einschließlich aller Nebenausgaben beliefen sich auf 235 Thlr., welche die Revierverwaltungskasse trug.
Und in die Glocken des Christabends 1874 mischt sich um 7 Uhr zum ersten Mal der Ton der neuen Glocke. Doch nicht allen bringt der Ton in den späteren Tagen Freude.
So finden wir 1899 eine Beschwerde eines Freibergers Einwohners, der eine starke Beschränkung des Läutens um 8 und 4 Uhr fordert oder Maßnahmen verlangt, dass wenigstens bei Nacht das Läuten nicht hörbar werde! 1908 wird ein elektrisches Läutewerk beschafft.
Bei dieser Gelegenheit schlägt der Stadtrat eine Beschränkung des Läutens vor, dass darüber schon oft Klage geführt worden sei. Damit ist der Revierausschuss einverstanden.
Er bewilligt auch die 74 Mark, die jährlich für das Läuten gezahlt worden sind, auf 10 Jahre dafür, dass an der Glocke ein besonderes Anschlagewerk angebracht werden musste. Vermutlich seit 1962 wird sie elektrisch geläutet.

Die Vorgängerin der jetzigen Häuerglocke ist im Stadt- und Bergbaumuseum ausgestellt.

Früher schlug die Häuerglocke um 3 Uhr (15 Minuten) und um 4 Uhr (7–8 Minuten) in der Frühe, außerdem mittags um 12 Uhr (15 Minuten) und um 1 Uhr (7–8 Minuten) und abends um 7 Uhr (15 Minuten) und um 8 Uhr (7–8 Minuten). Aus Rücksicht auf die heute üblichen Ruhezeiten wurde dies geändert, nun läutet sie nur noch um 12 Uhr und um 17 Uhr.


Der Faule Turm und seine Glocken

Bild: Fauler Turm – Klick zum Vergrößern Bild: Fauler Turm neu – Klick zum Vergrößern
Der Glockenturm („Fauler Turm“) blieb unausgebaut und steht südlich vom Petriturm. Er trägt die beiden großen Glocken. Der Glockenstuhl befindet sich ebenfalls im Glockenturm und ist für Besucher nicht zugänglich. Auf Grund des hohen Gewichts der Glocken befindet sich eine Holzkonstruktion im Inneren des Turms. Diese trägt das Gewicht der Glocken und dient zum Aufnehmen der Schwingungen beim Läuten, um Schäden an der Bausubstanz zu vermeiden.
Im unteren Bereich besteht der Turm aus Freiberger Gneis mit einer Mauerstärke von bis zu 3 Metern. An der Glockenstube sind die Wände nur noch einen halben Meter dick.

Seit 1670 verlief unter einer Abdeckung zwischen den beiden Türmen ein Seil, um das Nachschlagwerk im Faulen Turm zu bedienen, welches die Glocke im Faulen Turm nach dem Petriturmglocken nachschlagen ließ.
1685 wurde dieses Repetierwerk durch den „frembden Uhrmacher“ Joachim Göbel aus Hamburg zu einer Repetieruhr erweitert, die alle zwölf Stunden aufgezogen werden musste. Im Inventarium von 1753 und folgenden (bis 1886) steht dazu: „Eine eiserne Nachschlaguhr, mit Seil, Scheibe so hölzernd dergleichen Gewichtskasten“. Von dieser Einrichtung ist heute außer dem eisernen Abtritt im Petriturm und der Öffnung im Mauerwerk an der Südseite des Petriturms zwischen „Privee Cämmergen und Holzcämmergen“ nichts mehr erhalten.

Die Geschichte des Glockenturms ist auch die Geschichte der Petrikirche: Siehe Menüpunkt „Petri-Nikolai – Historie



Beide Glocken im „Faulen Turm“ wurden 1886 an gekröpfte gusseiserne Joche gehängt und dabei Teile der Glockenkronen entfernt. In den Weltkriegen blieben diese Glocken durch Einstufung in die Gruppe C (1917) und D (1940) von der Glockenbeschlagnahme befreit.



Die große Glocke
Die große Glocke wurde im Jahre 1487 vom Freiberger Glockengießer Oswald Hilliger gegossen. Die Glocke trägt folgende klar geformte, 11 cm hohe Umschrift:
„o rex glorie veni cvm pace sancte petre janitor coeli ora pro no + anno m° ccc° lxxxvii°“
Übersetzt in heutigem Deutsch: „O herrlicher König komme in Frieden heiliger Petrus himmlischer Pförtner bitte für uns“


Die große Glocke wurde 2004 repariert, deshalb an dieser Stelle zum Vergleich Bilder vor und nach der Erneuerung:

Bild: große Glocke (alt) – Klick zum Vergrößern Bild: große Glocke (neu) – Klick zum Vergrößern
Gesamtansicht

Bild: das Joch der großen Glocke (alt) – Klick zum Vergrößern Bild: das Joch der großen Glocke (neu) – Klick zum Vergrößern
Das Joch der Glocke. Man beachte den Drehpunkt! Das Holzjoch mit der schwingenden Glocke bewirkt einen wesentlich besseren Ton als das Metalljoch mit der sich drehenden Glocke.

Bild: der Klöppel der großen Glocke (neu) – Klick zum Vergrößern
Ebenso hat auch der Klöppel mit seiner Aufhängung einen großen Einfluss auf den Glockenton.

Bild: Schriftauszug von der großen Glocke (neu) – Klick zum Vergrößern
Hier ein Auszug der Aufschrift auf der großen Glocke. Zu sehen sind deutlich die Worte: „cum pace“


Gussort: Freiberg • Gussjahr: 1487 • Gießer: Oswald Hilliger • Unterer Durchmesser: 1805 mm • Schlagring: 130 mm • Gewicht: 3790 kg
Nominal: c’ -4 • Unterton: H +-0 • Prime: c’ -4 • Terz: es’ -4 • Quinte bzw. -vertreter: ges’ -4 • Oktave: c’’ -4



Die kleine Glocke
Die kleine Glocke ist ein Werk des berühmten Freiberger Glockengießers Wolf Hilger (Hilliger), dem Enkel von Oswald Hilliger. Auf der einen Seite der 1570 gegossenen Glocke befindet sich das Hilgersche Wappen mit der Angabe:
„Anno Domini M D LXX, Wolff Hilger zv Freibergk gos mich“
Auf der anderen Seite befindet sich die Relieffigur des Petrus mit darüberstehendem Spruch:
„MEIN CLANG DICH RVFT ZVM KIRCHEN GANG MERKS WORT, GOT DANK SING LOBGESANG/ ANNO DOMINI MDLXX“


Die kleine Glocke wurde wie auch die große Glocke 2004 repariert, deshalb an dieser Stelle zum Vergleich Bilder vor und nach der Erneuerung:

Bild: kleine Glocke (alt) – Klick zum Vergrößern Bild: kleine Glocke (neu) – Klick zum Vergrößern
Gesamtansicht

Bild: das Joch der kleinen Glocke (alt) – Klick zum Vergrößern Bild: das Joch der kleinen Glocke (neu) – Klick zum Vergrößern
Das Joch der kleinen Glocke. Man beachte den Drehpunkt! Das Holzjoch mit der schwingenden Glocke bewirkt einen wesentlich besseren Ton als das Metalljoch mit der sich drehenden Glocke.

Bild: der Klöppel der kleinen Glocke (alt) – Klick zum Vergrößern Bild: der Klöppel der kleinen Glocke (neu) – Klick zum Vergrößern
Ebenso hat auch der Klöppel mit seiner Aufhängung einen großen Einfluss auf den Glockenton.

Bild: Schriftauszug von der kleinen Glocke – Klick zum Vergrößern
Hier ein Auszug der Aufschrift auf der kleinen Glocke. Zu sehen sind deutlich die Worte: „Domini M D LXX“

Bild: Detail auf der kleinen Glocke – Klick zum Vergrößern Bild: Detail auf der kleinen Glocke – Klick zum Vergrößern
Abschließend noch zwei Details auf der kleinen Glocke.


Wolf Hilliger wurde am 30.11.1511 in Freiberg geboren. Er starb an seinem 65. Geburtstag und wurde in der Petrikirche beigesetzt. Neben seiner Tätigkeit als kurfürstlicher Stückgießer ist er vor allem als Gießer klangvoller und großartig gezierter Bronzeglocken und prächtiger Epitaphien bekannt. Er gilt als der bedeutendste Glockengießer unserer Landeskirche. Einen bleibenden Namen hat er sich in seiner Vaterstadt Freiberg auch durch die Übernahme wichtiger Ämter, wie Ratsherr, Vorsteher des Almosenkastens, Stadtrichter und Regierender Bürgermeister erworben.

Bild: Epitaph Wolf Hilliger – Klick zum Vergrößern
Der Epitaph von Wolf Hilliger, gestiftet von Gabriel Hilliger. Dieser Epitaph befindet sich in der Petrikirche.

Gussort: Freiberg • Gussjahr: 1570 • Gießer: Wolf Hilliger • Unterer Durchmesser: 1450 mm • Schlagring: 110 mm • Gewicht: 1950 kg
Nominal: es’ +1 • Unterton: es° +1 • Prime: es’ -4 • Terz: g’ -6 • Quinte bzw. -vertreter: b’ -1 • Oktave: es’’ +1



Richtspruch beim Heben der Glockenstube der Petrikirche zu Freiberg
Walpurgis 2004
vom Küster zu Königsbrück, Herrn Werner Lindner,
vorgetragen von Zimmermann Herrn Klimke

Auf einem Hügel, | von Häusern fest umringt,
„Dreiviertel-Tausend Jahre“ – | wie schön das klingt,
befindet sich die Kirche | „St. Petri“ hier am Ort
und soll nach unserem Willen | bestehn noch lange fort!
Doch was heißt „Unser Wille“ – | damit ists nicht gemacht,
oft geht es ganz, ganz anders | meist schnell und über Nacht!
Denn fünf Mal hat die Flamme | schon hier am Bau geleckt,
doch fünf Mal hat man wieder | das Dach darauf gedeckt!
Man hat zu allen Zeiten | den Fleiß daran gesetzt
dass Gottes gute Hütte | sei allzeit unverletzt!

Auch wir in unsern Tagen, | wir sind darauf bedacht
und haben unsre Arbeit | so gut es geht gemacht.
Drei Türme hat die Kirche – | auf einem sitzt der Hahn,
der andre mit der Haube | strebt aufwärts himmelan.
Der dritte ist der „Faule“ – | das aber stört uns nicht,
auch er zu Gottes Ehre | dereinst ward aufgericht!
Gar manche böse Fehde | und mancher Jubelschrei
ging hier an unserm Turme | im Lauf der Zeit vorbei!
Und grade dieser „Faule“ | war immer mit gefragt,
hier oben in der Stube | hats ständig mit geklagt,
her hat es mit gejubelt, | hierklang der Freude Ton,
denn unten hat empfunden | der kleine Erdensohn.

Der goss dereinstmals Glocken | und zog sie hier hinauf
und baute dann zum Schutze | ein kleines Dächlein drauf.
An diesem kleinen Dache | da nagte dann der Wurm
und nun in diesem Jahre | musst’s runter von dem Turm.
Aus festem Holz gezimmert | steht nunmehr das Gerüst,
was für die beiden Glocken | die neue Stube ist.
Die können weiterläuten | geschützt vor Sturm und Wind,
weil fleiß’ge Zimmerleute | am Werk gewesen sind.
Dreihundertsechzig Zentner | aus gutem Holz gefügt
zum Schutze zweier Glocken | wohl allemal genügt!
So schlagen wir mit Freuden | den letzten Nagel ein
und trinken dann beim Schmause | darauf noch einen Wein.
Der Bauherr wird ihn stiften | darauf vertrauen wir,
vielleicht auch bloß ein Fläschchen | von „Freibergischem Bier“?

Doch eh wir etwas trinken | drei Wüsche stehn noch frei:
der erste Wunsch dem Baue – | dass er gesegnet sei.
Der zweite Wunsch um Frieden | im lieben Vaterland!
Der dritte allen Menschen – | wir stehn in Gottes Hand,
dass wir das nicht vergessen | mit unsrer kleinen Kraft,
die hin und wieder auch mal | ein großes Werk geschafft.
Auch wenn der Turm „der Faule“ – | wie jeder von und weiß
das Werk der Zimmerleute | ist’s Gegenteil – ist „Fleiß“!

Drum dürfen wir heut singen – | der Bau, der ist gericht’!
Und weithin soll’s erklingen | mit Freude im Gesicht,
mit Dank in unsern Herzen | für abgewandte Not,
wie’s unsre Väter sagen: | „Nun danket alle Gott“!


Der Hahnenturm

Bild: Hahnenturm – Klick zum Vergrößern
Der Hahnenturm verdankt seinen Namen dem auf seiner Spitze angebrachten Wetterhahn. Ob es einen Parallelturm gab, konnte noch nicht mit Sicherheit geklärt werden.

Im Hahnenturm befindet sich keine Glocke.


Die Glocken der Nikolaikirche

Die Nikolaikirche war die Kirche der Stadtgemeinde St. Nikolai. Im Zusammenhang mit dem Zusammenschluss der Gemeinden St. Petri und St. Nikolai zur Petri-Nikolai-Geimeinde und dem Umbau der Petrikirche wurde die Nikolaikirche an die Stadt Freiberg verkauft. Der staatlich vereidigte Schätzer Dr. Schilling hatte den Wert der Kirche auf etwa 109.000 M zuzüglich Inventar veranschlagt, verkauft wurde die Kirche einschließlich Grundstück am 25.06.1975 für 28.000 M.
Aktenkundig ist, dass von diesem Verkauf die beiden Glocken und ihre Glockenstühle nicht betroffen waren, diese sich somit noch im Eigentum der Kirchgemeinde Petri-Nikolai befinden.

Bild: Glocke 1 Nikolaikirche – Klick zum Vergrößern Bild: Klöppel der Glocke 1 Nikolaikirche – Klick zum Vergrößern
Die große Glocke aus Bronze mit einem Gewicht von 2050 kg und einem Durchmesser von 159,5 cm wurde 1487 in der Freiberger Glockengießerwerkstatt Oswald Hilliger gegossen. Sie trägt die Inschrift:
„O rex Gloria venu cum pace. Sancte Nicolae ora pro nobis. Ave Maria T. Anno dm m cccc l XXXVII“
Kantor Hans Hartung, Glockensachverständiger beim Ev.-Luth. Landeskirchenamt Sachsens schrieb über sie im Jahre 1956: „Die Glocke steht zwischen c’ und des’, ihr Unterklang ist ein ausgesprochenes des’. Die Terz erscheint als Mollterz, obwohl sie als e’ anzusehen ist. Die Konstanten des oberen Streufeldes sprachen spontan und sauber an und lichten den Klang angenehm auf. Der Gesamteindruck der Glocke ist ein angenehm weicher, sonorer Klang. Die Glocke hängt in gekröpftem U.Eisenjoch mit einer l.W. von 142 cm.“

Bild: Glocke 2 Nikolaikirche – Klick zum Vergrößern Bild: Klöppel der Glocke 2 Nikolaikirche – Klick zum Vergrößern
Die kleine Glocke von 1498 aus der Freiberger Glockengießerwerkstatt Hilliger war gesprungen und nicht mehr reparierbar, sie musste ersetzt werden. Die neue Glocke war ebenfalls aus Bronze, wog 1369 kg mit einem Durchmesser von 128 cm und der Aufschrift: „Himmel und Erden werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. Matth. 24, 35 Mich goss 1937 Franz Schilling Söhne – Apolda für die gesprungene Oswald Hilgersche Glocke (1498–1936)“
Sie wurde am „Donnerstag, den 16. September 1937 nachmittags 3 Uhr auf dem Buttermarkt“ geweiht:
   Nun steig’, du Glocke, hoch empor;
   zeug’ wie die Schwester einst zuvor
   vom Lieben, Hoffen, Glauben.
   Was unsre Väter treu geliebt
   und was uns ewges Leben gibt,
   das soll kein Feind uns rauben.
   Mächtig, prächtig, Heil verkündend, Glauben zündend
   soll’s erschallen uns und unseren Kindern allen!

Diese Glocke befand sich nur fünf Jahre auf dem Turm: Sie wurde zwecks Einschmelzen gleich an Ort und Stelle zerschlagen. Danach hatte die Kirche bis 1956 nur die Große Glocke. Da in diesen Zeiten in der DDR auf Grund von Materialknappheit Bronze nicht zum Gießen von Kirchenglocken verwendet werden durfte, verwendete man 1958 für eine neue Glocke Stahl. Sie schwingt im Ton f’, besitzt einen Durchmesser von 145 cm und wiegt 1300 kg.

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